Feb
Ich las ein Buch.
Das letzte Buch, das ich las, las ich letzten Sommer während meiner Rekrutenschule. Aus lauter Langeweile. Es war nicht mal besonders gut. Davor war ich mehrere Jahre völlig buchlos.
Vor einigen Wochen schenkte mir meine Dame nun ein Buch. Level 26, ein Thriller der Erzählform 2.0, wie es der Erfinder der bekannten Fernsehserie CSI im Vorwort gross ankündigt. Nach jedem grösseren Kapitel folgt eine sogenannte Cyber-Bridge, ein Video welches man sich mit passendem Code, der sich im Buch finden lässt, auf level26.com ansehen kann. Quasi Halb Buch, halb Film.
Obiger Trailer, mit Ausschnitten aus den Cyber-Bridges, zeigt schon ungefähr um was es geht. Wer’s noch genauer wissen will, here you go:
Strafverfolgungsbehörden teilen Mörder in verschiedene Kategorien der Bösartigkeit ein, angefangen bei Zufallstätern der Stufe 1 bis hin zu Folterern und Schlächtern der Stufe 25, deren Grausamkeit und Perversität sich dem normalen Begriffsvermögen entziehen. Kaum jemand weiss, dass eine neue Kategorie entstanden ist, eine unvorstellbare und bisher unbekannte Dimension des Schreckens. Und nur jene namenlose Elitetruppe von Männern und Frauen, die in keiner offiziellen Akte geführt wird und deren Aufgabe es ist, die gefährlichsten Killer und Psychopathen der Welt auszuschalten, weiss von dieser neuen Kategorie. Eine Kategorie, in die bislang erst eine Person gehört. Seine Opfer: Jeder. Seine Methoden: Alles, was ihm geeignet erscheint. Sein Alias: Sqweegel. Seine Einstufung: Level 26.
Ich ahnte anfangs schon, dass ich mich an den Videos nerven könnte. Ich mag’s nicht, wenn mir vorgezeigt wird, wie Personen aussehen, wenn ich mir schon selbst ein Bild im Kopf gemacht habe. Da ich das Buch meistens nur abends im Bett las, sich die Videos auf dem iPhone nicht abspielen lassen, ärgerte ich mich zudem auch aus dem Grund darüber, nochmals aufstehen und mir die Cyber-Bridge am iMac ansehen zu müssen. Bis ich merkte, dass man die Handlung auch vollkommen ohne die Videosequenzen versteht. So habe ich Level 26 dann halt meistens doch nur als herkömmliches Buch gelesen und mir die Videos der Vollständigkeit halber im Nachhinein angesehen.
Als herkömmliches Buch ist das Ganze dann auch ganz gut. Die Geschichte ist spannend, wenn auch nicht wirklich speziell erwähnenswert geschrieben. Der “gefährlichste Killer der Menschheit” dürfte für meinen Geschmack sogar noch ein wenig gefährlicher sein. Die paar beschriebenen Morde sind zwar schon harte Kost, reichen für mich aber nicht aus um zu erkennen, was aus ihm Level 26 macht, zumal ich einige Filmbösewichte kennen, die böser drauf sind. Sowieso hätte man auf diesen Psychopathen Sqweegel, wie auch auf den Agenten Steve Dark, dessen besondere Fähigkeiten zwar angesprochen wurden, aber dann trotzdem nie zum Einsatz kamen, noch ein wenig genauer eingehen dürfen.
Jedenfalls. Wer blutige Thriller mag, ist mit Level 26 gut bedient. Möglicherweise lässt man dann sogar die Videos, die halt doch eine gewisse Schamgrenze haben und nicht so weit gehen wie das Buch selbst, ganz weg und malt sich das Ganze im Kopf selbst aus, um es noch ein wenig spannender zu machen.
13 Kommentare
Das steht eh noch auf der Leseliste, aber klingt so als könnte man es gut hinten anstellen. ;-)
HEY! Ih han denkt ih könni di mit ama “bitz andera” Buach mol zum Lesa arega. Schliasslich hesch nid gad viel glesa, sit ih di kenna. Han jo nid wüssa könna, dass du nocher grad zumna Möchtegern-Buachkritiker wirsch. ;)
Dases keis sprochlichs Meischterwerk isch hani nämlich scho gwüsst.
Ih bin Möchtegern-Kritiker in ALLNA Bereich.
Ich kann dir schon Bücher geben, in denen es speziell brutale Mörder gibt.
Bei amerikanischen Autoren findest du das nämlich eher selten.
Denn prinzipiell: Je mehr etwas auf dem Umschlag propagiert wird, desto weniger ist es dann tatsächlich der Fall. Meistens. Aus meiner Erfahrung.
Gerne.
Ja, dachte ich mir schon. Das ist auch der Grund, weshalb ich noch nie ein Buch gekauft habe, sondern immer nur verwirrt vor den Regalen stand… BESTSELLER-AUTOR, SPIEGEL-BESTSELLER-LISTE, KRIMI DES JAHRHUNDERTS. Schlimmer als bei Filmen.
Buch…was ist das?
Die komischen Dinger die auf Resistance in den Häusern auf den Tischen liegen und weg fliegen, wenn man darauf schiesst.
Ah…ok.
Finde ich aber mal was anderes, so in Verbindung mit Videos und so. Da könnte man vielleicht schon noch etwas mehr herausholen, wenn man es etwas besser aufsetzt, als du es für diesen Fall hier beschrieben hast.
Ich finde, der Autor missbraucht hier etwas den Begriff 2.0. Wenn etwas 2.0 ist, muss der Leser damit interagieren können, und das kann man in dem Buch nicht. So sehe das zumindest ich. Beim Filmen und so ist das natürlich was anderes, aber ich denke, der Autor bezieht sich hierbei auf das Web 2.0.
Und wie du auch schon erwähnst, Bücher sind doch eigentlich auch dazu gedacht, dass jeder Mensch sein eigenes Bild über die Figuren und Objekte im Film machen kann. Zudem ist es doch mühsam, wenn man beim Buchlesen noch irgend ein internetfähiges Gerät auf der Schoss haben und ständig irgendwelche URLs abtippen muss.
Und wie Irene sagt, herauszuholen ist bestimmt noch mehr. Müssen ja nicht mal unbedingt Videos sein.
Tolle Idee! Das Buch würde ich mir kaufen.
Am liebsten wahrscheinlich in deinem Shop, hm?! Sympathische Werbung ist was anderes. Link entfernt.
:-)